Die Goldene Wiege

Die Goldene Wiege – Mystik in GRHDRF

Viele Alt-Dörfler kennen die Sage der Goldenen Wiege. Als Kind hörte ich damals davon und war immer von der Mystik der Geschichte angetan. So ganz begreifen konnte ich die Erzählung glaube ich nicht und auch heute erschließt sich mir die Kernaussage nicht so recht.
Hinter der U-Bahn-Überführung zwischen Kiekut und Schmalenbeck, dort wo der Wöhrendamm unter der U-Bahn entlangführt und der Waldreiterweg kreuzt – dort soll einst die Goldene Wiege gelegen haben. Vergraben sollte sie sein, angeblich unter dem sich seit den 20er Jahren dort befindlichen Findling zwischen den beiden großen Linden (dies stellte sich irgendwann aber als mutmaßlich falsch heraus – Aufzeichnungen berichten, dass die „Fundstelle“ etwas tiefer hinein hinter dem Waldreiterweg gewesen sein soll. Damals gab es dort einen kleinen Söl, einen sumpfartigen Teich in einer Senkkuhle. Ein Förster pflanzte dort in der Zwischenzeit einige Kiefern an.)

Goldene Wiege
Wie auch immer – die Geschichte erzählt sich so:

Vor vielen Jahren lebte in Kiekut ein Bauer mit Namen Paape. Eines Tages kam ihm zu Ohren, daß auf dem Platz eine goldene Wiege ruhen sollte. Der Schatz würde der Sage nach in der Geisterstunde einer Vollmondnacht unter der Bedingung gehoben werden können, daß bei der Hin- und Rückfahrt und auch während der Arbeit kein Sterbenswörtchen geredet würde.

Bauer Paape spannte also eines Vollmondnachts seine Pferde vor den Wagen und machte sich mit seinem Knecht schweigend auf den Weg. Am Ziel angekommen schaufelten sie den Sand aus der immer tiefer werdenden Grube. Plötzlich stießen sie auf etwas Hartes. Und wirklich! Vor ihnen lag die goldene Wiege. Der Knecht wollte gerade in Bewunderung ausbrechen, da stieß ihn der Bauer noch eben rechtzeitig in die Seite, was soviel heißen sollte wie: „Paß auf, du Dussel, und halt den Schnabel, sonst ist es aus mit der Herrlichkeit!“ Jetzt aber mußten sie darangehen, die schwere Wiege erst einmal aus der Grube zu bringen und dann auf den Wagen zu laden. Aber auch das ward geschafft und nachdem sie den Platz in seinen alten Zustand versetzt hatten, fuhren sie wieder nach Hause.

Immer noch schweigend zogen sie ihres Weges. Der Knecht lenkte die Pferde. Aber er ließ die Zügel schlaff hängen, denn er war inzwischen müde geworden und war eingenickt. Da geschah das Unglück. Der Wagen stieß mit einem Rad an die Pfosten des Tores, durch das sie eben auf den Hof fuhren. Die plötzliche Erschütterung weckte den Bauern, der ebenfalls eingeschlafen war. Ärgerlich stieß er einen Fluch aus – und im selben Augenblick war die Wiege verschwunden! Er hatte das Gebot der Schweigsamkeit im letzten Augenblick gebrochen und war dadurch um den Lohn seiner nächtlichen Schatzsuche geprellt worden.

Bauer Paape soll später noch einmal versucht haben, die Wiege in seine Gewalt zu bekommen. Aber sie ist und bleibt seitdem verschwunden und ist nicht wieder aufzufinden.

(leicht veränderter Text, übernommen von glischinski.de, ursprünglich aufgeschrieben von Helga Jetleb, Veröffentlichung im Heimatheft „Der Waldreiter“ Nr. 10/1950)

Findling

Der Findling an dem Ort, der eine Zeit lang als die Fundstelle der Goldene Wiegen galt, hat eine deutliche Einsprengung. Mein kindlicher Kopf damals dichtete die Geschichte weiter, dass der Teufel aus Zorn, dass die Wiege gehoben wurde, einen Blitz in den Stein geschickt hat. Scheinbar total erfunden, denn nirgendwo konnte ich bei meiner Recherche auch nur einen Hinweis darauf ausfindig machen. Oder weißt du vielleicht mehr? Vielleicht hast du ja eine Idee, warum es ausgerechnet eine Goldene WIEGE gewesen sein soll, die dort vergraben lag? Wenn ja, freue ich mich über eine Info über das Kontaktformular oder über einen Kommentar bei Facebook.