Handy

Lassen Sie mich durch, ich bin Handy-Arzt

Angeblich soll es 19% aller Handy-Besitzer schonmal passiert sein, also bitte keinen Spott: mir ist mein Smartphone ins Klo gefallen. Jaja. Nach dem ersten Schrecken und äusserlichen Trocknungsversuchen muß ich leider feststellen, dass einige „Tasten“ nicht mehr reagieren, so auch die 9, die zwingend zu meinem Sperrcode gehört. Demnach komme ich ins Handy nicht mehr „rein“. Ärgerlich.
Schnell gegoogelt, wie man das so tut, und herausgefunden, dass man in solchem Falle Apple Geräte bitte nicht versuchen sollte auseinander zu bauen. Andere Gerätetypen, bei denen der Akku einfach abnehmbar ist, dürfen auseinander genommen und etwas getrocknet werden. Handy unbedingt schnell ausschalten. Google gab mir einen scheinbar verlässlichen heißen Tipp: das Smartphone mindestens 48 Stunden komplett bedeckt in Reis legen, das soll die Feuchtigkeit herausziehen. Ok, probier ich. Wenn ihr weiterlest, erfahrt ihr, dass das Märchen vom Reis ziemlicher Humbug ist und was man stattdessen lieber tun sollte.

Nach 24 Stunden nehme ich kurz das Handy aus der Reistüte, möchte es einmal einschalten: vergeblich. Jetzt geht es nicht mal mehr an! Ich ärgere mich über den Rat, das Handy sofort abzuschalten. Hätte ich doch vorher schnell noch ein Backup gemacht. Naja. Wiederum lege ich das Phone in den Reis zurück und warte erneut mindestens 48 Stunden.

Nach Ablauf dieser Zeit freue ich mich sehr, lässt sich das Handy zumindest wieder anschalten. Yeah, Reis=super Tipp, denke ich. Doch leider kriegt mein Telefon keinen Empfang mehr eingestellt. Es sucht und sucht und behauptet stets, es hätte kein Netz. Irgendwie scheint da doch etwas in Mitleidenschaft gezogen zu sein.

Erneut befrage ich Google nach einem Handy-Doctor in der Nähe. Ich werde tatsächlich fündig! Im Ahrensburger Gewerbegebiet gleich neben dem Recyclinghof gibt es ein Geschäft namens HDSH Heuer, das sich im Internet auf www.handy-wasserschaden.de präsentiert. Nix wie hin da. Normalerweise senden Menschen ihre defekten Geräte aus der gesamten Republik per Post dorthin ein, aber auch spontane Besuche in den Öffnungszeiten sind möglich. Vor Ort erfahre ich, dass Herr Heuer nicht nur Wasserschäden, sondern kaputte Handys jeglicher Art behandeln kann: vom Display-Austausch bis zu Wackelkontakten und anderen Defekten. Der Ein-Mann-Betrieb führt Reparaturen selbsttätig und vor Ort aus, ohne das Phone einsenden zu müssen.

Hier werde ich auch über die Mär vom Feuchtigkeits-saugenden Reis aufgeklärt. Denn Tests haben gezeigt, dass der trockene Reis bei Raumtemperaturen grad mal gar keine Feuchtigkeit zieht. Mein Argument, dass mein Telefon nach Reis-Einlage immerhin wieder einschaltbar ist, wird damit vernichtet, dass es vermutlich bei Lagerung an der Luft den gleichen Effekt gehabt hätte. Nunja. Kleiner Geheim-Experten-Tipp: Kieselgel! Das ist das Zeug, was in kleinen Papiertütchen manchmal bei Textilien und Geräten in den Versandkartons zu finden ist. Hat man natürlich nie im Haus, schmeißt man ja weg. Gibt es aber in Apotheken zu kaufen, so sagte man mir.

Möchte man nun also sein feuchtes Handy in Kieselgel einlegen, wäre ein weiterer Tipp, das Ganze in einen Plastikbeutel so luftdicht wie möglich zu verfrachten. Noch besser wäre, es mit einem Vakuumiergerät einzuschweißen, denn durch so ein Vakuum wird der Inhalt ‚kalt gekocht‘ und somit Wasser entzogen. Klingt gefährlich, isses aber nicht.

Nun denn, ich gebe meinen Handy-Patienten vertrauensvoll in Herrn Heuers Hände – immerhin kriegt er 80% der Wasserschäden wieder in Gang. Er zeigt mir außerdem das Innenleben eines iPhones und möchte mir damit zeigen, daß bei Wasserkontakt viele kleine Ecken und Kurven volllaufen können, die man so schnell selber leider nicht entfeuchtet bekommt.

kaputtes Handy

Ich bin erstaunt, dass die Operation nur einen Tag dauern soll und dass ich bei Misslingen nur 19,99€ dafür zahlen soll. Ein erfolgreich repariertes Handy würde mich 59,99€ kosten. So hält sich der Kostenschaden im Rahmen, selbst wenn der Rettungsversuch erfolglos endet.

Tja, was soll ich nun sagen. Ich nehme das Ergebnis vorweg: mein Handy-Empfang war leider nicht mehr einstellbar. Trotz mehrfachen Auseinanderschraubens und Austauschs diverser Kleinstteile – der Kontakt zur Antenne scheint recht gelitten zu haben und sei dermaßen filigran, dass eine Reparatur in realistischem Rahmen schier unmöglich sei. Ein eher seltener Fall. Trotzdem möchte ich an dieser Stelle den offenen, freundlichen, hilfsbereiten und fachkundlichen Service von HDSH Heuer empfehlen – Herr Heuer war sogar fast ein wenig mehr geknickt als ich ☻. Als Trostpreis haben die Kinder immerhin ein Schildkröten-Kuscheltier bekommen, das ist das Maskottchen des Unternehmen.

Du wunderst dich, dass ich ein Ahrensburger Unternehmen hier bei GRHDRF.de empfehle, obwohl wir uns deutlich auf Großhansdorf konzentrieren möchten? HDSH Heuer hatten ihren Sitz vor einiger Zeit sogar in unsrem kleine Dorfe und Herr Heuer wohnt auch noch hier. Und kompetente Hinweise darf man doch sicher gern weitersagen.