Waldkita-Bauwagen

Waldkindergarten hat noch Plätze frei

Vor Kurzem durften wir die Buntspechte im Wald besuchen.

Das klingt jetzt erst einmal nach Vogelkunde, aber nein: Die Buntspechte, das ist die Kindergartengruppe des AWO Waldkindergartens, der vor rund 1 Jahr in Großhansdorf eröffnet wurde. In einem wunderschönen Bauwagen aus Holz haben insgesamt bis zu 15 Kinder sowie deren ErzieherInnen und BetreuerInnen Platz. Der Bauwagen steht im Waldreiterweg, zwischen TCG Tennisplatz und Flüchtlingsunterkunft, auf einem schönen Stück Grün neben dem Waldgebiet am Wöhrendamm.

Waldkita-Schild

Nachdem eine Umfrage unter Großhansdorfer Eltern von Kids im Kindergartenalter eine große Befürwortung zur Errichtung eines Waldkindergartens ergab, alles natürlich geprüft und gecheckt und kalkuliert wurde, trat freundlicherweise der TCG ein Stück „überflüssiges“ Gelände ab und so konnte der Träger AWO eben jenen Waldkindergarten errichten. Liegt in einer Waldgemeinde ja quasi auf der Hand. Wenn wir noch einmal ganz klein wären, dann würden wir auch gern in so einem Waldkindergarten groß werden. Da das aber leider nicht geht, durften wir zumindest einmal schnuppern kommen und uns von der Leiterin Theresa Gräf und den kleinen bunten Spechtkindern ihr Gelände zeigen lassen.

Das Gelände ist nicht nur der Platz rund um den Bauwagen, sondern quasi der gesamte Großhansdorfer Wald.

Jeden Tag verbringen die betreuten Kids ihre meiste Zeit im Wald, bei Wind und Wetter – Ausnahmen bedingen lediglich das Mittagessen bis zur Abholzeit und unzumutbare Wetterverhältnisse wie Sturm und Gewitter. Je nach Jahreszeit mit entsprechender Kleidung und Snacks ausgestattet, wird im Wald gewerkelt, geforscht, erkundet, gebaut, gespielt, gebuddelt, gesungen, gebastelt und alles, was sonst ein „normaler“ Kindergarten auch kann. Nur eben mit Material, welches der Wald per se freiwillig zur Verfügung stellt.

Waldkita-Lichtung
Auf einer erhöhten Lichtung ist der „Hauptsitz“ der Buntspechte. Hier findet man zu einem Kreis angeordnete gefällte Baumstämme (u.a. für den Morgenkreis zum Sitzen), einen riesigen umgekippten Baum zum Klettern, Balancieren und mit spannendem Wurzelwerk zum Buddeln. Oder auch eine aus Hölzern und Stöckern gezimmerte kleine Hütte, die als Bauprojekt von den Kids gemeinsam mit einer Erzieherin selbst hergestellt wird. Es werden Kostbarkeiten im Wald gesammelt, geschnitzt, Spuren erforscht, Waldlieder gesungen und Tiergeschichten gelesen. Es ist ein Leben mit den Jahreszeiten und schult so den Sinn für die Natur und die Umwelt. Manchmal steht kleines Gartengerät zur Verfügung, aber grundsätzlich wird auf unnatürliches Spielzeug verzichtet und der Waldkindergarten gibt sich spielzeugfrei. Der Wald ist spielbar genug. Sogar eine Wippe wurde aus einem Stumpf und einem Baumstamm gebaut.
Die Erzieher wollen den Kindern nicht nur den achtsamen Umgang mit der Natur vermitteln, sondern unterstützen die Kinder zudem in ihrer Selbständigkeit. Auch Partizipation erleben die Kinder durch Beteiligung und Mitbestimmung in verschiedenen Bereichen: So haben sich beispielsweise die Kinder für den Gruppennamen „Buntspechte“ entschieden und es gibt jeden Tag ein Kind, welches das Morgenkreislied und den Tischspruch bestimmen darf.

waldkita-hütte

Ein weiterer Schwerpunkt ist der situationsorientierte Ansatz in der pädagogischen Arbeit.

Die Themen, die die Kinder unmittelbar berühren und interessieren, stehen im Fokus. Der Wald erzwingt sozusagen eine gewisse Flexibilität in der Arbeit der ErzieherInnen. Da wird das geplante richtig tolle Schnitzprojekt kurzerhand vertagt, weil es endlich wieder mal regnet und die Kinder sich lieber mit den viel interessanteren Pfützen beschäftigen.
Das Waldgelände der Kita wird durch für den Unbetroffenen kaum sichtbare blaue Markierungen an bestimmten Bäumen begrenzt. Die Kinder wissen ganz genau, wie weit sie sich allein entfernen dürfen und dass diese blauen Marker ihren imaginären Zaun darstellen. So geht niemand verloren und jeder lernt, sich vor Ort gut zurecht zu finden.

Überhaupt ist der aktuelle Betreuungsschlüssel traumhaft: 3 ErzieherInnen plus 1 Hilfe stehen für höchstens 15 Kinder zur Verfügung. Aktuell sind nicht alle 15 Plätze belegt; ab Januar werden herzlich gerne weitere Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren aufgenommen – 4 Plätze sind momentan frei.

Die Betreuungszeiten im AWO Waldkindergarten sind auf die Zeit von 8.00 bis 14.00 Uhr begrenzt. Die morgendliche „Übergabe“ der Kinder von ihren Eltern an die Betreuer findet auf dem Waldparkplatz im Waldreiterweg in der Zeit bis 8.20 Uhr statt. Von dort gehen die Kinderchen den kleinen Gang zu ihrer schönen Waldlichtung.
Gegen 12.00 Uhr gibt es Mittagessen. Dafür verlassen die Buntsprechte ihr wäldliches Gelände und wandern zu ihrem hölzernen Bauwagen, der über Strom, Wasser und Toiletten verfügt. Dafür müssen sie den Wöhrendamm bei der U-Bahnbrücke überqueren, was wiederum das Verhalten im Straßenverkehr schult. Das Essen liefert die örtliche Küche der LungenClinic, die auch die Mensa des EvBs sowie einige der Kitas im Ort mit Mittagessen bestückt. Nach dem Essen bis zur Abholzeit um 14.00 Uhr (die Abholung findet beim Bauwagen statt), wird im und um den Wagen frei gespielt.

 

Klingt das nicht herrlich? Freie Kinder im Einklang mit der Natur? Fast wie Bullerbü. Ok, bestimmt passt das Waldkonzept nicht zu jedem, aber für alle ist ja leider im Bauwagen auch kein Platz.
Wenn du dich als Eltern von baldigen Kita-Kids hiermit angesprochen fühlst, vielleicht mehr erfahren möchtest oder einfach selber mal reinschauen magst, dann wende dich vertrauensvoll per Email oder Telefon (0170/ 375 86 14) an die freundliche Leiterin Frau Gräf.